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Kampf gegen Elterntaxis: Straße gesperrt

Eine Baustellenabsperrung steht auf einer Straße vor dem Schulzentrum der Gemeinde Oyten
„Wir hatten zeitweise ein Verkehrsaufkommen, das die Straße nicht mehr aufnehmen konnte“, sagt ein Sprecher der Gemeinde Oyten ∙ © dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Die Gemeinde Oyten bei Bremen hat den so genannten Elterntaxis den Kampf angesagt und testweise die Zufahrtsstraße zu einer Schule gesperrt. Was der Versuch bringen soll und was der ADAC dazu sagt.

An der Pestalozzistraße in Oyten befinden sich drei Einrichtungen: Eine Kindertagesstätte, eine Grundschule und eine integrierte Gesamtschule. Beste Voraussetzungen für ein Verkehrschaos, verursacht durch Eltern, die ihre Kinder mit dem eigenen Auto zur Schule bringen oder abholen.

“Wir hatten zeitweise ein Verkehrsaufkommen, das die Straße nicht mehr aufnehmen konnte“, sagt Daniel Moos, Sprecher der Gemeinde Oyten. Schließlich würden nicht nur die Eltern der rund 1100 Kinder, die in den drei Einrichtungen untergebracht sind, die Verkehrswege nutzen, sondern auch Lehrer und andere Dienstleister. Erfolglos hätten die Leiter der Kita sowie der Schulen an die Eltern appelliert, ihre Schützlinge nicht mit dem eigenen Wagen zu fahren. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Infrastruktur im Ort so gut sei, dass Kinder die Einrichtungen ab einem entsprechenden Alter auch mit Bus, Rad oder zu Fuß sicher erreichen könnten.

Bürgermeisterin Sandra Röse (CDU) wollte nun nicht weiter diskutieren, sondern handelte: Noch bis zum 24. Januar sind nun die beiden Zufahrten morgens, mittags und nachmittags von Mitarbeitern des örtlichen Bauhofes abgeriegelt. Schulbusse, Lehrer und Lieferverkehr haben jedoch eine Durchfahrtserlaubnis.

Die Gemeinde erhofft sich ein Umdenken der Eltern

“Wir erhoffen uns von der Sperrung, dass die Eltern umdenken“, sagt Daniel Moos. Sollte die Versuchsphase erfolgreich verlaufen, könnte die Straße dauerhaft für Elterntaxis gesperrt bleiben. “Eltern, die ihre Kinder nicht alleine zur Schule schicken wollen, erhalten auf einem nahe gelegenen und gut erreichbaren Parkplatz die Möglichkeit, diese dort abzusetzen, damit sie die letzten Meter zur Schule zu Fuß zurück legen“.

Wie dringlich ein Umdenken hinsichtlich der Elterntaxis ist, zeigt auch ein Beispiel einer Schule in Magdeburg. Laut einem Bericht von Spiegel.de wurde dort Erstklässlern verboten, mit dem Rad zur Schule zu fahren, da die hohe Zahl an Elterntaxis eine zu große Gefährdung darstellt.

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Kinder sollten den Schulweg selbständig absolvieren

Nach Ansicht von ADAC Verkehrsexperte Ronald Winkler ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig und altersangemessen an den Straßenverkehr herangeführt werden. “Ein Risikobewusstsein und ein Verständnis für den Straßenverkehr entwickeln sie allerdings nicht, wenn sie von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden“.

Der ADAC empfiehlt Eltern, den Schulweg mit den Kleinen bereits vor dem ersten Schultag abzugehen und einzuüben. “Hierzu gibt es für viele Schulen Schulwegpläne mit empfohlenen Querungsstellen und Verhaltenstipps“, so Winkler.

Eine gute Möglichkeit sei auch der Walking Bus, der von Eltern oder älteren Schülern angeführt wird und bei dem eine Gruppe von Kindern gemeinsam den Schulweg meistert. Dies fördere nicht nur eine höhere Aufmerksamkeit bei den Kindern im Unterricht, sondern auch die Gesundheit und die Sozialkompetenz. “Voraussetzung ist aber, dass der fußläufige Weg zur Schule sicher und nicht zu lang ist, sagt der ADAC Verkehrsexperte.

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