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Der ADAC

Mythos Tuning: Was bringen Sportfilter?

Mechaniker beugt sich über einen Motor und hat einen neuen Luftfilter in der Hand.
Der ADAC hat die Wirkung verschiedener Sportfilter untersucht ∙ © iStock.com/ollo

Hersteller von Sportluftfiltern versprechen Tuningfans eine höhere Motorleistung, wenn ihre Produkte anstatt der originalen Luftfilter eingebaut werden. Aber lohnt es sich, in einen teuren Filter zu investieren? Der ADAC hat Luftfilter von unterschiedlichen Anbietern unter die Lupe genommen.

  • Sportluftfilter können den Motorverschleiß erhöhen

  • Die Steigerung der Motorleistung ist minimal

  • Achtung: Garantieansprüche können entfallen

Der ADAC hat im Labor und auf der Teststrecke sogenannte Sport-Ansaugsysteme („Air Intakes“) untersucht, die über ein Teilegutachten verfügen und nach dem Einbau im Fahrzeugschein eingetragen werden müssen. Überprüft wurden aber auch Sportluftfilter, die oft beim Autotuning eingesetzt werden, aber keiner Eintragungspflicht unterliegen.

Die Produkte für die Studie wurden nach einer Online-Marktanalyse sowie nach ausführlichen Gesprächen mit Tuningexperten ausgewählt und im Fachhandel oder Internet anonym eingekauft.

Leistungssteigerung durch Luftfilter-Tuning?

Die Ergebnisse zeigen, dass die versprochenen Leistungssteigerungen bei Sportluftfiltern minimal ausfallen. Sogar bei den teuren Sport-Ansaugsystemen kam es nur zu einer geringfügig höheren Motorleistung, die auf dem Leistungsprüfstand aber nicht darstellbar ist.

Auf einer Teststrecke erfolgten die Beschleunigungsmessungen im Realbetrieb – und die Ergebnisse unterschieden sich nur in Zehntelsekunden. Bildlich ausgedrückt war das Auto mit dem Filter von HG-Motorsport im Vergleich zum Originalfilter in der gleichen Zeit lediglich 3,50 Meter weiter hinter der Ziellinie, beim Sport-Ansaugsystem von Racingline R600 waren es immerhin 5,57 Meter.

Doch prozentual betrachtet ist das Auto mit dem Racingline-Ansaugsystem bei einer Beschleunigung von 30 auf 140 km/h im dritten Gang eben auch nur 2,4 Prozent schneller als ein Auto mit Originalfilter. Beim Sportluftfilter von Pipercross gab es im Test sogar Leistungseinbußen gegenüber dem Originalfilter.

Filterung meist ungenügend

Prinzipiell sind zwei Arten von Filtern zu unterscheiden: Tauschfilter und Sport-Ansaugsysteme. Das Filterelement selbst besteht meistens aus ölgetränkter Baumwolle oder Schaumstoff.

Sport-Ansaugsysteme kommen in der Tuning-Szene zum Einsatz, wenn nicht nur die Luftzufuhr optimiert, sondern auch das Motorengeräusch intensiver werden soll. Dagegen bestehen die normalerweise in Fahrzeugen verbauten Luftfilter aus Papier. Sie filtern Staubpartikel und schützen damit den Motor.

In der aktuellen Studie hat der ADAC die unterschiedlichen Filter-Leistungen und damit die möglichen Auswirkungen auf den Verschleiß des Motors verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Originalfilter meist die besseren Filtereigenschaften hat und den Motor so vor Verschleiß schützt. Allein der günstigste Tauschfilter von Filtron (Preis rund sieben Euro) kommt in der ADAC Studie an die Filtrationsleistungen des Originalfilters heran, weil beide ähnlich aufgebaut sind.

Alle anderen Sportfilter zeigen deutlich höhere Partikelbelastungen, weshalb bei ihnen die Gefahr eines stärkeren Motorverschleißes besteht, weil Staub und Schmutz nicht ausreichend vom Filter abgehalten werden. Kostspielige Filtersysteme für mehr als 900 Euro lohnen sich in dem Fall also nicht und können die Lebensdauer des Motors sogar verkürzen.

Garantieansprüche können entfallen

Wer einen anderen als den serienmäßigen Luftfilter in sein Auto einbaut, kann die Herstellergarantie und/oder Sachmängelhaftung verlieren. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ausgetauschte Luftfilter keine Herstellerfreigabe besitzen.

Das Gleiche gilt, wenn der Autobesitzer für den eingebauten Austauschfilter keine Bestätigung nach der sogenannten EU-Gruppenfreistellungs-Verordnung nachweisen kann. Deshalb ist beim Luftfiltertausch immer darauf zu achten, dass das Produkt für die entsprechende Automarke auch freigegeben ist.

Skepsis ist auch angebracht, wenn Autotuning-Produkte neben einer Steigerung der Motorleistung zusätzlich versprechen, dass die Herstellergarantie für das Auto erhalten bleibt. Denn das ist bei den meisten Luftfiltern, die am Tuning-Markt angeboten werden, nicht der Fall.

Wer Sportluftfilter reinigt, spart nur wenig

Die in der Anschaffung teureren Sportluftfilter können im Gegensatz zu den originalen Filtern mehrfach verwendet werden. Tuning-Fans müssen nur die vorgegebenen Reinigungsintervalle einhalten, doch die sind in der Regel viel kürzer als bei den originalen Luftfiltern. Der Luftfilter von Pipercross muss zum Beispiel mit seinem Reinigungs-Intervall (alle 32.000 Kilometer) fast dreimal herausgenommen werden, während der Originalfilter ganze 90.000 Kilometer an seinem Platz verbleibt.

Die Reinigung der Sportluftfilter ist nicht ganz einfach und erfolgt mit einem Spezialreiniger. Nach der Trocknung muss man sie ggf. auch neu mit einem Spezialöl benetzen.

Vergleicht man alle Kosten, ergibt sich nach Berechnungen des ADAC erst nach 250.000 Kilometern Laufleistung eine minimale Kosteneinsparung zwischen zwei und elf Euro – je nach Sportluftfilter. Das steht allerdings in keiner Relation zum Aufwand für die Reinigung. Kosten sparen lassen sich mit wiederverwertbaren Sportluftfiltern somit nicht.

Tipps für Tuningfans

  • Beim Filtertausch – insbesondere während der Garantie- und Gewährleistungszeit – sollte man auf die originalen Produkte oder Filter mit Gruppenfreistellungsverordnung zurückgreifen.

  • Wer Luftfilter selbst tauscht, muss aufpassen, dass keine Schmutzpartikel in die Luftkanäle gelangen.

  • Vor dem Einbau eines neuen Filters immer das Innenleben des Filtergehäuses mit einem Staubsauger säubern. Auf keinen Fall Bürsten oder Druckluft verwenden, da sonst Schmutzpartikel in den Motor gelangen können.

  • Bei Sportluftfiltern ist auf die verkürzten Wartungsintervalle zu achten.

Luftfilter und TÜV

Was Laien oft nicht wissen: Wenn abweichende Teile eingebaut werden, erlischt in vielen Fällen die Betriebserlaubnis für das Auto. Deshalb müssen Sport-Ansaugsysteme auch in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden, weil sie immer eintragungspflichtig sind.

Wer also ein Sport-Ansaugsystem einbaut, muss sich die Änderung in jedem Fall mit dem beigelegten Teilegutachten vom TÜV bestätigen lassen und diese Abnahme anschließend in der Zulassungsstelle in den Kfz-Schein eintragen lassen. Die übrigen Sportluftfilter sind eintragungsfrei.

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