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Kia e-Soul: Prima Ergebnisse im ADAC Test

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. ∙ Bild: © ADAC

Der Kia e-Soul soll mit großem Akku 452 Kilometer weit kommen. Im Test musste er nun beweisen, wie gut er wirklich ist. Ergebnisse, Daten, Bewertungen

  • Im ADAC Test: die starke Version mit 150 kW/204 PS und 64-kWh-Akku

  • Technik: Note 2,1. Kosten: Note 2,4

  • Manko: Lange Lieferzeit von etwa zwölf Monaten

Eigentlich ist es reichlich traurig: Endlich werden brauchbare Elektroautos mit praxistauglicher Reichweite angeboten, doch die Hersteller kommen mit der Lieferung nicht hinterher. Bestes Beispiel: Der Kia e-Soul, der zwar offiziell im April 2019 in den Markt eingeführt wurde, es aber meist lange bis zum Kunden braucht. Immer noch beträgt die Lieferzeit etwa ein Jahr.

Nicht anders ergeht es den Käufern des Kia e-Niro, die genauso lang warten müssen. Das etwas größere Schwestermodell ist mit der gleichen Antriebstechnik ausgerüstet wie der neue e-Soul. Schuld für die Liefer-Misere seien laut Kia-Deutschland-Geschäftsführer Steffen Cost die zu konservative Stückzahlplanung und die Batteriehersteller, die momentan für die ganze Branche als Flaschenhals gelten. Mit der starken Nachfrage hätte einfach keiner gerechnet.

Wie weit reicht der 64-kWh-Akku wirklich?

Dabei hätte man durchaus davon ausgehen können, dass ein E-Auto gut ankommt, wenn es nicht allzu teuer ist und eine ordentliche Reichweite aufweist. Zwar gibt es wie beim e-Niro auch einen kleineren Akku mit 39,2 kWh für 276 Kilometer Reichweite, aber Kia rechnet damit, dass sich mehr als 90 Prozent der Kunden für den größeren Akku entscheiden. Für den flüssig gekühlten Lithium-Ionen-Polymer-Akku mit 64 kWh verspricht der Hersteller eine Normreichweite von 452 Kilometern

Wie weit er wirklich kommt und was er sonst noch so kann, musste der Kia e-Soul nun im ADAC Test beweisen. Der Testwagen mit dem größeren Akku kostet 3800 Euro mehr und ist damit die deutlich praxistauglichere Version. Außerdem ist der Fahrspaß um einiges größer, denn die Motorleistung beträgt hier statt 110 kW (136 PS) 150 kW (204 PS). Das maximale Drehmoment gibt der Hersteller mit 395 Nm an. 

Diese enorme fast lautlose Kraft macht aber nicht nur Spaß, sie ist auch ein Garant für sicheres Überholen auf der Landstraße. Wer einen mit 60 km/h vor sich fahrenden Lkw hinter sich lassen möchte, ist in nur 3,6 Sekunden vorbei. Ein kurzer energischer Gasstoß, wenn's frei ist, genügt. Klar verleitet so viel Leistungspotential grundsätzlich immer wieder mal zum schnellen Fahren – aber dann lernt man genauso schnell, dass das die mögliche Reichweite erheblich reduziert. Und so verfällt man dann gern wieder in den entspannten Cruiser-Modus – die angemessenste Art, ein Elektroauto zu bewegen.  ADAC Urteil über den Antrieb: eine glatte Note eins.  

Im ADAC-Messzyklus (ADAC Ecotest) mit eigens definierten Geschwindigkeiten für Stadt-, Überland- und Autobahnfahrten (inklusive 200 Kilogramm Gepäck an Bord) schafft der Kia e-Soul eine Reichweite von 390 Kilometer. Wobei man beachten muss, dass der Wert im Winter, wenn der Innenraum beheizt werden muss, um einiges kleiner ausfällt. Die Heizung bzw. die Klimaanlage ist bei allen Elektroautos ein Bauteil, das relativ viel Energie benötigt. Energie, die dann nicht mehr für den Motor zur Verfügung steht. Abhilfe schafft eine Wärmepumpe, die meist gegen Aufpreis angeboten wird. Im Fall des Kia e-Soul kostet sie 1290 Euro extra.   

Umso wichtiger ist es, mit der Energie zu haushalten, vorausschauend zu fahren und die Rekuperation gut zu nutzen. Wie viel Bremsenergie in elektrische Energie zurückgewonnen wird, kann der Fahrer über Schaltwippen am Lenkrad beeinflussen und dadurch auch "elektrisch bremsen". Zieht man den Hebel links vom Lenkrad länger, kann man den Soul auch ohne Einsatz der herkömmlichen Bremsen bis zum Stillstand abbremsen. Zudem orientiert sich das Fahrzeug am vorausfahrenden Verkehr, um automatisch maximal energieeffizientes Bremsen zu gewährleisten – oder möglichst weit zu rollen.

DC-Laden mit 100 kW, AC-Laden mit 7,4 kW

Das Fahren mit dem e-Soul ist so einfach wie mit einem Autoscooter auf der Kirmes. Einfach den Drehknopf in der Mittelkonsole auf "D" drehen und Gas geben. Schon gleitet der Elektrowagen mühelos und geräuscharm dahin – wenn es sein muss sogar recht sportlich. Die Version mit großem Akku und 204 PS sprinten in 7,9 Sekunden auf 100 km/h, die schwächere 136-PS-Variante mit kleinem Akku braucht 9,9.
Und die Lademöglichkeiten? An der Front befindet sich eine kleine Klappe, hinter der sich ein konventioneller Typ-2-Anschluss und ein  Schnellladeanschluss für den CCS-Stecker-Standard verbirgt. Dieser ist serienmäßig und erlaubt an einer entsprechend ausgerüsteten Autobahn-Ladesäule eine Ladeleistung von maximal 100 kW, so dass der große Akku in rund 60 Minuten von 20 auf 80 Prozent kommt.

An einer 22 kW-Säule, wie sie meist in den Städten zu finden ist, sieht es leider anders aus: Hier nimmt sich der Soul nur 7,4 kW. Ein großes Manko, denn eine Vollladung (0-100 Prozent) würde hier über neun Stunden dauern. In Städten wie München darf man aber an öffentlichen Säulen nur vier Stunden stehen. Zum Vergleich: Ein Renault Zoe nimmt sich hier die vollen 22 kW und ist entsprechend schneller voll.

Eine App zeigt den Ladezustand

Außerdem kommt ein neues Telematiksystem namens UVO zum Einsatz, das den Nutzer unter anderem mit Echtzeitinformationen zu Ladestationen versorgt und es ermöglicht, das Laden zu programmieren. Erstmalig lässt sich bei Kia auch der aktuelle Ladezustand über eine App für Android- und Apple-Smartphones verfolgen. Praktisch auch, das sich über das Handy Navi-Ziele wählen und direkt zum Auto ins Navi schicken lassen. Auch der e-Niro soll bald mit dem System ausgerüstet werden.

Moderner Innenraum mit Digitalanzeigen

Der Innenraum des e-Soul präsentiert sich aufgeräumt, die Bedienung klappt weitgehend intuitiv. Das Kombiinstrument besteht aus einem zentralen Farbdisplay, das seitlich von kleineren, halbrunden Displays flankiert wird, die damit eine klassische Rundinstrumentenoptik andeuten. Außerdem befindet sich mittig im Armaturenbrett ein 10,25 Zoll großer Touchscreen für das Infotainmentsystem.

In Sachen Platzangebot muss sich der e-Soul nicht verstecken: Auch hinten sitzt es sich für diese Fahrzeuggröße recht kommod und auch das Kofferraumvolumen mit 310 bis 1205 Litern (nach ADAC Messmethodik) kann als alltagstauglich bezeichnet werden. Weil die Batterie im Unterboden sitzt, schränkt sie das Platzangebot nicht ein.

Darüber hinaus verfügt der Elektro-Soul über eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung, die sieben Airbags, Crash-Verhinderer, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Querverkehr- und Müdigkeitswarner sowie Abstandstempomat umfasst.

Bleibt als einziger Haken die lange Lieferzeit. Wer jetzt auf die Idee kommt, statt des e-Soul einen Soul mit Benziner oder Diesel zu kaufen und dadurch schneller zu der kultigen Kiste zu kommen, hat falsch gedacht. Den neuen Soul gibt es ausschließlich mit Elektroantrieb.

Daten, Messwerte, Test-Ergebnis im Überblick

Technische Daten (Herstellerangaben)Kia e-Soul (64 kWh) Spirit
Motor/AntriebElektromotor (PSM) an der Vorderachse, 150 kW204 PS Leistung, 395 Nm Drehmoment
Fahrleistungen7,9 s auf 100 km/h, 167 km/h Spitze
Verbrauch15,7 kWh/100 km, 0 g CO₂/km
MaßeL 4,20 / B 1,80 / H 1,60 m
Kofferraum315 bis 1339 l
Leergewicht1757 kg
Preis43.190 €
ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h3,6s
Bremsweg aus 100 km/h34,6 m
Wendekreis11,3 m
Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest18,8 kWh/100 km , 103 g CO₂/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)****
Reichweite390 km
Innengeräusch bei 130 km/h68,1 dB (A)
Leergewicht / Zuladung1745 / 435 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch310 / 670/ 1205 l
Testwagenpreis45.583 €
ADAC TestergebnisGesamtnote: 2,1
Karosserie/Kofferraum2,9
Innenraum2,4
Komfort2,8
Motor/Antrieb1,0
Fahreigenschaften2,3
Sicherheit2,0
Umwelt/Ecotest1,6

Das hat uns gefallen: Gute Fahrleistungen. Gutes Platzangebot vorn. Praxistaugliche Reichweite. Umfangreiche Ausstattung. 7 Jahre Garantie. Hohe aktive Sicherheit.

Das hat uns nicht gefallen: Teilweise einfache Materialien im Innenraum. Kein Anhängerbetrieb möglich. Hoher Anschaffungspreis. AC-Laden auf 7,2 kW begrenzt. Lange Lieferzeit.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Kia e-Soul herunterladen.

Testbericht zum Kia e-Soul
PDF, 667 KB
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