Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

VW-Abgasskandal: Vergleichsverhandlungen beginnen

Mann und Frau schütteln Hände nach erfolgreicher Verhandlung
Im Musterprozess zum VW-Abgasskandal wird über einen Vergleich verhandelt ∙ © undefined undefined

Bekommen Dieselkunden von VW Schadenersatz wegen zu hoher Abgas- und gesunkener Fahrzeugwerte? Es kommt Bewegung in den vom ADAC unterstützten Musterprozess des Bundesverbands der Verbraucherzentralen gegen den Wolfsburger Autobauer.

Im Musterprozess um mögliche Entschädigungen für Hunderttausende Dieselfahrer steigen Volkswagen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in Vergleichsgespräche ein. Das teilten VW und der vzbv am Donnerstag mit. Damit erhöhen sich die Chancen der rund 444.000 teilnehmenden Kläger in dem Verfahren am Braunschweiger Oberlandesgericht, Ansprüche gegen VW wegen des Wertverlusts ihrer Autos im Abgasskandal durchzusetzen.

"Gemeinsames Ziel von vzbv und Volkswagen ist eine pragmatische Lösung im Sinne der Kunden", hieß es in der kurzen Mitteilung. Die Gespräche seien in einem sehr frühen Stadium. "Ob es zu einem Vergleich kommt, ist offen."

Der Vorsitzende Richter am OLG, Michael Neef, hatte bei den ersten Sitzungen zur Musterfeststellungsklage im September und November bereits für Verhandlungen zwischen dem Autobauer und den Verbraucherschützern geworben. VW hatte dies bisher mit Verweis auf mangelnde Vergleichbarkeit der Einzelfälle und ein unvollständiges Klageregister offiziell als "kaum vorstellbar" bezeichnet.

Ein Vergleich könnte schon 2020 geschlossen werden

ADAC Chefjurist Dr. Markus Schäpe begrüßt die Kehrtwende von Volkswagen. "Das kann das Verfahren deutlich beschleunigen." Ein Vergleich könnte noch in der ersten Jahreshälfte 2020 geschlossen werden – ein Prozess würde dagegen wohl noch weitere zwei Jahre dauern, so Schäpe.

Sollten die Verhandlungen zwischen VW und vzbv zu einer Einigung führen, ginge das Ergebnis per Post an alle Kläger, die sich dem Musterprozess des vzbv angeschlossen hatten. Falls weniger als 30 Prozent dem Resultat widersprechen, wäre der Vergleich angenommen. Der Vergleich gilt allerdings nur für diejenigen, die keinen Widerspruch eingelegt haben – wer dem Vorschlag widerspricht, müsste auf eigene Faust weiter klagen.

Um jeden Preis sollten die Kläger im Abgasskandal einen Vergleich aber nicht annehmen, so Schäpe: "VW sollte ein faires Angebot vorlegen und keine Symbolpolitik betreiben. Es kann nicht mit ein paar Hundert Euro Abfindung getan sein."

Bisher gibt es keine einheitlichen Urteile im Abgasskandal

Der vzbv vertritt in dem vom ADAC unterstützten Verfahren die Interessen zahlreicher Dieselfahrer. Sie sehen sich nach dem Auffliegen der Abgas-Manipulationen im Herbst 2015 durch den Einbau einer illegalen Software von Volkswagen getäuscht. In vielen Fällen fordern sie Schadenersatz wegen des gesunkenen Wiederverkaufswertes ihrer Fahrzeuge. Neben dem Musterverfahren in Braunschweig laufen an Gerichten bundesweit weitere separate Prozesse. Mancherorts sprachen Richter den Verbrauchern Entschädigungen oder den kompletten Ersatz des Kaufpreises des Autos zu - oft wurden Ansprüche jedoch abgelehnt.

Im September 2015 hatte Volkswagen nach Prüfungen von Behörden und Recherchen von Forschern in den USA Manipulationen an den Abgaswerten von Dieselautos zugegeben. Die Software bestimmter Motoren war so eingestellt, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Tests. Auch in Deutschland fühlten sich Kunden geprellt, sie klagten einzeln oder schlossen sich der Musterfeststellungsklage an. Sollte ein möglicher Vergleich von mehr als 30 Prozent der am Musterprozess beteiligten Kläger abgelehnt werden, müssen konkrete Ansprüche im Erfolgsfall in eigenen Verfahren durchgesetzt werden.

Mit Material von dpa

Thomas Paulsen
Stellv. Chefredakteur
Kontakt